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Das Dritte Reich
"Das dritte Reich" war der Titel einer 1923 erschienenen Schrift, in welcher der konservative Autor Artur Moeller van der Bruck seinen Traum eines auf mittelalterlichen Vorstellungen beruhenden neuen Deutschland entwarf, das in der Nachfolge des Heiligen Römischen Reichs und des von Bismarck geschaffenen, im Ersten Weltkrieg untergegangenen "Zweiten Reich" stehen sollte. Andere konservative Kritiker der Weimarer Republik äußerten sich ähnlich: das "Dritte Reich" sollte die ungeliebte demokratische Ordnung ablösen. Damit würden die sozialen Gegensätze in einer „organischen" Staatsform aufgelöst werden und eine wahre "Volksgemeinschaft" entstehen. So diffus und vage – um nicht zu sagen wirr – diese Pläne auch waren, sie hatten eine gewisse Ausstrahlungskraft für die von politischen und wirtschaftlichen Krisen zerrüttete Gesellschaft von Weimar. Die Mehrheit der Deutschen hatte sich spätestens Anfang der 1930er Jahre von der Demokratie abgewandt und suchte ihr Heil in einer radikalen neuen Ordnung.
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Es gelang ihm und seinen Parteigenossen in der Folgezeit, die Verfassung von Weimar (die auch schon vorher schwer gelitten hatte) außer Kraft zu setzen, alle Parteien außer der eigenen zu verbieten oder zur Selbstauflösung zu bewegen und die Gewerkschaften, die Presse, die Länderregierungen – das gesamte öffentliche Leben also – "gleichzuschalten", d.h. nationalsozialistischen Vorstellungen zu unterwerfen. Widerstand gab es kaum. Zwar haben sich z.B. die Kirchen gewisse Freiräume bewahren können, aber gegen die totalitären Ansprüche des Regimes an die Gesellschaft allgemein haben auch sie nicht gekämpft. Die politische Linke, zerstritten und schwach, war bemüht, ein Überleben im Untergrund zu sicher, und konnte sich nicht ernsthaft widersetzen.
Wie konnte das geschehen – wie konnte Hitler nach der Ernennung zum Kanzler so mühelos eine diktatorische Macht über Deutschland sichern? Diese Frage ist unbequem und wurde in Deutschland auch von der Forschung lange nicht oder nur verhalten gestellt. Denn ihr nachzugehen heißt einzugestehen, wie vieles von dem Regime angerichtete von großen Teilen der Gesellschaft hingenommen, akzeptiert, ja, erwünscht war. Wie sah diese Gesellschaft aus? Wie gestaltete sich der deutsche Alltag? Wie wichtig es ist, Antworten auf diese Fragen zu finden, wird klar, wenn man sich vor Augen führt, dass sich der deutsche Alltag vor dem Hintergrund von ungeheueren, staatlich veranlassten Verbrechen abspielte. Verfolgung und Drangsalierung fanden nicht nur im Geheimen statt. Sie waren, im Gegenteil, offenkundig.
